Aloisiuskolleg
Gymnasium der Jesuiten für Mädchen und Jungen

Pädagogischer Tag – Arbeit an einem Verhaltenskodex für das Kolleg

Über einhundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Teilen des Kollegs waren zu einem pädagogischen Tag zusammen gekommen. Damit war sozusagen die gesammelte pädagogische Kompetenz in einem Raum, um gemeinsam auf Erfahrung aufbauend zu einem Dokument zu finden, das die verbindlichen Standards definiert und transparent machen soll; da dies nicht ent- sondern ermutigen aber dennoch klar sein soll, ist so etwas nicht möglich, ohne auf den Erfahrungen derjenigen aufzubauen, die tagtäglich in der pädagogischen Arbeit stehen.
Über die letzten Monate hatte eine Arbeitsgruppe ebenfalls aus allen Bereichen, Pädagogen; Hauswirtschaft, Technik und Verwaltung, an einer Risiko-Analyse gearbeitet, die helfen soll zu identifizieren, wo wir Verbesserungsbedarf haben, wenn es um Wahrung der Unversehrtheit der uns anvertrauten Kinder und Jugendliche geht, und um die Förderung  respektvollen Verhaltens gegenüber diesen Schutzbefohlenen. Herr Marek Spitczok von Brisinski aus Berlin hat den Tag geleitet und gestaltet; er ist Ansprechpartner für Kinderschutzfragen seitens der deutschen Jesuitenprovinz, hat viele Schulungen für das Kolleg durchgeführt und berät das AKO auch bei dem gegenwärtigen Prozess.
Konkret ging es um eine intensive Beschäftigung mit einem Kodex, der den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern helfen soll, konkrete Verhaltensfragen mit Blick auf das Kindeswohl zu beantworten, aber auch deutlich zu machen, welches Verhalten eine nicht akzeptable Gefährdung von Kindeswohl wäre.  So ein Text kann nicht einfach fertig übernommen oder nur einseitig von oben durch die Leitung erlassen werden. Ohne einen intensiven Prozess der Auseinandersetzung mit den Themen in der Gruppe der Mitarbeitenden bliebe das oberflächlich. Gerade wenn aber später auch Regeln verbindlich formuliert und erlassen werden, muss das mit lebendigen Geist gefüllt und durch alle mit getragen werden.
Es gab zahlreiche Nachfragen zu den Vorlagen und Anregungen, was besser gemacht werden kann. Diese müssen nun von der Arbeitsgruppe gesichtet, bewertet und eingearbeitet werden. Anschließend wird die Kollegsleitung noch Außenstehende bitten, aus ihrer Perspektive auf die Ergebnisse zu schauen; auch aus diesen Rückmeldungen können sich Verbesserungen ergeben. Ziel ist es, dass sich die Kollegskonferenz im Juni das Ergebnis zu eigen macht.
Darüber, dass sich überall in Deutschland Schulen auf solch einen Weg machen oder machen sollen, berichtete unlängst die Wochenzeitung DIE ZEIT in einem ausführlichen Sonderteil:
http://www. zeit.de/2018/09/sexueller-kindesmissbrauch-schule-schulpolitik-schutz

Aus der Begrüßung des Rektors:
„Dieser Tag ist die Chance, mit einander zu sprechen – über die Grenzen der Bereiche des Kollegs hinweg, Internat, Externat und Schule, unter Einbeziehung auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Hauswirtschaft, Haustechnik und Verwaltung, die ja Anteil haben an dem gemeinsamen Auftrag des Kollegs. Das, was wir wollen, können wir nur miteinander tun. Dieser Tag heute soll dem gemeinsamen Suchen und Fragen dienen: Wie wollen wir uns in unseren Beziehungen zu den Kindern und Jugendlichen (und auch zu einander) verhalten? Was sind für uns die Maßstäbe, die uns wichtig sind?
Wir machen das nicht einfach deswegen, weil es Vorschriften gibt, und man so etwas machen muss.  Wir machen es auch nicht wegen dem, was in der Vergangenheit am AKO vorgefallen ist – auch wenn uns wohl erst die Vorfälle die zentrale Bedeutung des Themas bewusst machen. Doch jetzt machen wir das deswegen, weil wir heute und morgen für die Kinder und Jugendlichen da sein wollen.  Und wir machen es deswegen, weil es für die meisten von Ihnen sehr viel mit der Motivation, hier am AKO zu sein, zu tun hat: Ist das ein Ort, an dem wir respektvoll mit einander umgehen wollen?  Wir machen das heute nicht, um uns auf die Schultern zu klopfen und zu sagen: Wir sind toll! Wir machen es auch nicht um anzuklagen: Dies und das hast du falsch gemacht! Sondern wir machen es, weil das Sprechen über diese Themen hilft, besser zu werden, nicht in einem abstrakten Sinn, sondern besser in den Beziehungen als Kolleginnen und Kollegen unter einander, und besser immer in der Weise, wie wir für andere da sind: die Schülerinnen und Schüler! Es lohnt sich, immer wieder danach zu fragen, wie wir besser da sein können für andere.“