Aloisiuskolleg
Gymnasium der Jesuiten für Mädchen und Jungen
Verabschiedung von P. Siebner vom Aloisiuskolleg 2017

Pater Johannes Siebner SJ verstorben

Wir trauern um P. Johannes Siebner SJ, Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten und von 2011 bis 2017 Rektor am Aloisiuskolleg.
Am Sonntag, 16. August um 11.00 Uhr feiern wir in seinem Gedenken eine Hl. Messe am Aloisiuskolleg (bitte nach Möglichkeit hier anmelden).

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Er verstarb am heutigen Donnerstag, morgens in Berlin. Ende Januar wurde ein Gehirntumor entdeckt und entfernt; bis zuletzt hat er zunehmend geschwächt gegen die Folgen gekämpft. Wir trauern um unseren verstorbenen Mitbruder, und wir trauern zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern.

Johannes Siebner wurde am 24. August 1961 in Berlin geboren. Am Canisius-Kolleg in Berlin engagierte er sich in der Jugendarbeit (KSJ) und studierte nach dem Abitur zunächst Politikwissenschaft und Katholische Religion. Ein längerer Aufenthalt in einem Kibbuz in Israel prägte ihn. 1983 trat er in den Jesuitenorden ein. Nach dem Philosophiestudium in München, einem zweijährigen Dienst beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Malaysia, nach Theologiestudien in Frankfurt Sankt-Georgen, Priesterweihe 1992 in Köln sowie Zusatzstudien und pastoraler Tätigkeit in Erfurt trat er 1993 seine erste Stelle als geistlicher Leiter der KSJ und Religionslehrer an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg an. 2001 wurde er zum Kollegsdirektor an das Jesuiten-Kolleg St. Blasien im Schwarzwald ernannt.

2011 kam er in schweren Zeiten zu uns an das Aloisiuskolleg und übernahm das Amt des Rektors. Zusammen mit Schulleiter Dr. Manfred Sieburg und vielen anderen aus der Schule und dem Internat gelang es ihm, einen Prozess der pädagogischen Erneuerung zu gestalten.

Die Aufdeckung von Missbrauch am Aloisiuskolleg und andernorts erschütterte Johannes Siebner. Er übernahm Verantwortung für die Institutionen gegenüber den Betroffenen. In zahllosen Gesprächen mit direkt von Gewalt Betroffenen, aber auch mit sekundär Betroffenen, mit Familien, Jahrgängen von ehemaligen Schülern, mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichte er individuelle und institutionelle Aufarbeitung. Mutig intervenierte er, wenn Schutzbefohlene und Schutzsuchende sich an ihn wandten.

In äußerst komplexen Entscheidungssituationen hielt er teils schwere Anfeindungen aus unterschiedlichsten Richtungen aus; den einen ging er nicht weit genug, den anderen viel zu weit. Er jedoch hatte aus dem Gespräch mit vielen Betroffenen und aus seinem Glauben an die Gegenwart Gottes in allen Dingen einen Kompass und die Kraft, geschehenes Unrecht klar zu benennen, Strukturen aufzudecken und zu erneuern und dabei immer die Würde des einzelnen Menschen, besonders die Kinder und Jugendlichen im Blick zu haben.
Seine hörbar aus Berlin geprägte Sprache half ihm bei alledem nicht bitter zu werden, sondern mit erkennbarer Freude sein Amt auszuüben. Er war ein geselliger Mensch, um eine Redewendung nicht verlegen, aber immer den Menschen zugewandt, die seiner Leitung anvertraut waren. Johannes Siebner war von Herzen, durch und durch und im besten Sinn ein Pädagoge und Priester.

2017 wurde er zum Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten berufen und blieb in dieser neuen Aufgabe dem AKO verbunden. In den Monaten seiner schweren Krankheit war er zwar äußerst geschwächt, aber dennoch klar. Mit seinem Nachfolger als Rektor telefonierte er bis zuletzt oder schickte eine SMS, er gratulierte uns zum Aloisiusfest und erkundigte sich nach einzelnen Schülern, für deren Aufnahme ans Kolleg er sich auch gegen Widerstände eingesetzt hat – und freute sich zu hören, dass sie ein respektables Abitur geschafft haben.

Der frühe Tod von Johannes Siebner hinterlässt eine klaffende Lücke und erfüllt uns mit großem Schmerz. Jesus, der Johannes Siebner rief: „Weide meine Lämmer, weide meine Schafe“ (Joh 21,15), möge ihn nun bei sich aufnehmen.