Aloisiuskolleg
Gymnasium der Jesuiten für Mädchen und Jungen

KI, Geschichte, Friedensdiplomatie und wir – Historikertag in Bonn

Am Donnerstag, den 18.09.2025, sind wir, Geschichtsinteressierte der Klassen 9, 10 und Eph, mit Herrn Meuser und Frau Evelyn Buzas zum 55. Historikertag gefahren. Denn dieser fand dieses Jahr unter dem Thema „Dynamiken der Macht“ in Bonn statt. Wir haben an einem Workshop zu KI und Geschichte und einem Workshop zur Friedensdiplomatie  beim Westfälischen Friedenskongress teilgenommen. Anschließend haben einige noch das Regierungsviertel besucht und die Ausstellung „Nach Hitler“ im Haus der Geschichte oder die Ausstellung „Jüdisch vor Ort“ im Landesmuseum besucht.

Im Workshop „KI Macht Geschichte“ wurden zunächst Umfragen zur Nutzung von KI und sozialen Medien durchgeführt. Anschließend untersuchten wir KI-generierte Geschichtsinhalte, wie Rekonstruktionen historischer Szenarien, Porträts und Blogs, die Vergangenheit und Gegenwart verbinden. Ein Beispiel war der Chatbot „Anne Frank“. Wir diskutierten, wie KI unseren Alltag beeinflusst, aber auch Probleme wie Fehldarstellungen, Missachtung von Persönlichkeitsrechten und die Nutzung von Geschichte für kommerzielle, politische oder revisionistische Zwecke.
Das Entwerfen von kontrafaktischen Geschichten wie Pyramidenbau durch Riesen oder die fiktive „DDR Mondbasis“ wurden problematisiert. Aber auch wie eine KI-generierte Rekonstruktion des Konzentrationslagers Auschwitz Holocaustleugnern in die Hände spielen kann. Obwohl die meisten sicher waren, KI-generierte Inhalte erkennen zu können, etabliert sich zunehmend eine sogenannte synthetische Propaganda. Die Meinungen der Historiker waren gespalten: Einige sehen in KI eine Gefahr für die historische Wahrheit, andere betrachten sie als pädagogische Chance, um kritisches Denken und digitale Quellenkritik zu fördern.
Ein produktives Beispiel für KI-Einsatz präsentierte Maximilian Angert, Hamburger Landessieger im Geschichtswettbewerb: Er machte in seiner Arbeit „Ich bin dann mal Christ. Ein Jude wird Bürger Hamburgs“. mithilfe des Programms „Transcribus“ 2000 in Sütterlin und Kurrentschrift verfasste Akten von 1792 lesbar, darunter einen Liebesbrief.
Frau Dr. Ruth Rosenberg stellte die neue Dauerausstellung im Haus der Geschichte vor, die analoge und interaktive digitale Schnittstellen nutzt, um Geschichte erlebbar zu machen und zum Nachdenken über die eigene Geschichte anzuregen.

Im zweiten Workshop, der im Zentrum für Historische Friedensforschung stattfand, erfuhren wir unter der Leitung von Prof. Michael Rohrschneider Genaueres über die Friedensdiplomatie beim Westfälischen Friedenskongress (1643–1649). Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) hatte Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, schwer verwüstet. Wir analysierten das Ölgemälde „Les grandes misères de la guerre“ von Jacques Callot (1633) und erfuhren Interessantes über das Gemälde von Gerard ter Borch zum Frieden von Münster sowie über das Brauchtum in Osnabrück, wo jährlich am 25.10. das Westfälische Friedensfest gefeiert wird.
Prof. Rohrschneider zeigte uns Mikrofilme aus 150 europäischen Archiven, die im Institut aufbewahrt werden, um die Akten des Westfälischen Friedens in Buchform zu bringen und wir konnten auch einmal selbst Mikrofilme lesen (vermutlich die haltbarsten Datenträger).
Der Höhepunkt des Workshops war die Geheimdiplomatie beim Westfälischen Friedenskongress. 192 Gesandte verhandelten für ihre Staaten und erhielten chiffrierte Anweisungen von ihren Königen. Besonders interessant war der Fall, als Kaiser Ferdinand III. aus Wien seine Bestätigung zum Frieden absandte, aber der Gesandte Isaac Volmar nicht die richtige Chiffre hatte und den Text knobelnd dechiffrieren musste. Wir mussten nun, wie Volmar, den Brief dechiffrieren, was wir zum Glück gut schafften.

Nach diesem sehr lehrreichen und interessanten Programm nahmen einige noch am optionalen Nachmittagsprogramm teil und besuchten mit Herrn Meuser das Regierungsviertel und die Ausstellung „Nach Hitler“ im Haus der Geschichte oder mit Frau Buzas die Ausstellung „Jüdisch vor Ort“ im Rheinischen Landesmuseum.

In der Ausstellung „Jüdisch vor Ort“ erfuhren wir viel über das Leben der Juden im Rheinland, wo sie seit 1700 Jahren leben. Ein Zeitstrahl zeigte, dass Juden immer wieder diskriminiert wurden. Wir konnten eine hebräische Tora anschauen und lernten etwas über die Speiseregeln der Juden.

Die Ausstellung „Nach Hitler“ ist chronologisch aufgebaut und beleuchtet, wie sich verschiedene Generationen zum Nationalsozialismus verhielten. Die Erlebnisgeneration schwieg oder verdrängte trotz Reeducation-Maßnahmen, die Kindergeneration begann zu fragen. Die Enkelgeneration lernte aufgearbeitete Geschichte (US-Serie „Holocaust“, Fests Hitler-Biographie, die gefälschten Hitler-Tagebücher), blendete aber persönliche Verstrickungen aus (Wehrmachtausstellung 1995). Die Urenkelgeneration der nach 1990 geborenen hat kaum mehr familiäre Bezüge zum Nationalsozialismus, ist stark digital beeinflusst und durch Rechtsextremismus gefährdet (schockierend ein Schwibbogen des KZ Auschwitz als Weihnachtsschmuck). Am Ausgang der Ausstellung muss der Besucher eines von drei Toren mit Zitaten zur eigenen Haltung wählen.

Pinyuan (9a), Anna (9a), Victor (Eph), Oliver Meuser