Sozialpraktikum
In der Einführungsphase (Eph) der Oberstufe gehen alle SchülerInnen einen Monat in Alten- und Behindertenheime, in Krankenhäuser, Kindertagesstätten, Obdachlosen- oder andere Einrichtungen, um sich dort ehrenamtlich zu engagieren.
Es geht darum, Not zu lindern, anzupacken und zu helfen, so gut ich es kann. Es geht aber manchmal auch darum, das Leid einfach nur auszuhalten. Es geht immer darum, wertvolle Menschen kennenzulernen und zu erfahren, wie sie benachteiligende oder belastende Umstände in ihrem Leben meistern. „Compassion“ bedeutet: sich auf Andere einzulassen, von Ihnen bereichert zu werden und für sie da zu sein.
Sozialpraktikum als ignatianische Erfahrung
„Menschsein für andere“ wird konkret, wenn ich es tatsächlich tue. Seit 1986 gehört das Sozialpraktikum am AKO zu den wichtigsten Lernerfahrungen. Es geht dabei nicht nur darum „etwas zu tun“, sondern vor allem darum, die Erfahrungen prägend werden zu lassen für das eigene Leben.
So legte auch Ignatius von Loyola, der Ordensgründer der Jesuiten, Anfang des 16. Jahrhunderts bei sich selbst und seinen Ordensbrüdern immer besonderen Wert darauf, Gott nicht nur auf theologisch-theoretischer Ebene zu ergründen, sondern sein Werk mit Herz und Hand an den Menschen zu tun, die unserer Hilfe am meisten bedürfen. Schon die ersten Jesuiten übten sich in sogenannten „Experimenten“, die sie mit Armen, Kranken und Sterbenden zusammenführten, wobei das Wort „Experiment“ nicht etwa bedeutet, dass man irgendetwas ausprobiert, sondern dass man sich selbst erprobt.
„Die Liebe muss mehr in die Werke als in die Worte gelegt werden“, lautet ein wichtiger Leitsatz von Ignatius von Loyola, und auf diese besondere Erfahrung bereiten wir unsere Schülerinnen und Schüler eingehend vor:
- Was nützt ein Sozialpraktikum?
- Woher kommt diese Idee?
- Und was wollen wir damit erreichen?
- Was ist daran ignatianisch?
- Was ist „magis“ und was hat es mit dem Sozialpraktikum zu tun?
Es erscheint uns von essentieller Wichtigkeit, dass jede Schülerin und jeder Schüler sich diese und ähnliche Fragen stellt und auch schon die ein oder andere Antwort parat hat, bevor er oder sie sich den praktischen Erfahrungen zuwendet, damit es nicht bei der bloßen Erfahrung bleibt, sondern diese nur den Beginn eines persönlichkeitsprägenden Prozesses bildet.
Das Sozialpraktikum ist „magis“
Im Sozialpraktikum manifestiert sich also der Gedanke, mehr zu lernen, als die schulischen Curricula beinhalten, mehr zu werden als nur ein gebildetes und erfolgreiches Individuum. Nur wenn es uns gelingt, durch die reflektierte „Verkostung“ der sozialen Erfahrung auch neue Maßstäbe für unser eigenes Handeln abzuleiten, werden wir zu Menschen, die nicht nur sich selbst die Nächsten sind, sondern die Menschen für andere sind.
Erfahrung
Mit den richtigen Fragen im Gepäck sind wir gewappnet, uns bewusst in Situationen zu begeben, in denen andere Menschen unsere Hilfe brauchen. Wir tun das, um herauszufinden, wie es sich anfühlt zu helfen.
In der Reflexion wollen wir unsere eigenen Gefühle und Gedanken erforschen. Wie war das, zu helfen? Wie ist es, gebraucht zu werden? Wie ist es, Hilfe zu benötigen, abhängig von anderen Menschen zu sein? Wie fühlt es sich an, helfen zu können? Und wie fühlt es sich an, nicht helfen zu können, ohnmächtig zu sein?
Wir hinterfragen unsere Beziehung zu anderen Menschen und lernen dabei uns selbst besser kennen. Ebenso erneuern und reflektieren wir dadurch unsere Beziehung zu Gott.
Handeln und Reflektieren
Mit dem Reflexionstag am Ende des vierwöchigen Sozialpraktikums ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Hier erinnern wir uns daran, dass wir nicht nur Worte wechseln, Meinungen hinterfragen und Einstellungen ändern wollen, sondern dass neue Einstellungen und andere Meinungen auch entsprechendes Handeln nach sich ziehen sollten. Eine Meinung zu vertreten ist nicht genug, man muss auch danach handeln. So wünschen wir uns auch von unseren Sozialpraktikantinnen und -praktikanten, dass es nicht bei Erfahrung und Reflexion bleibt, sondern sie sich durch Erfahrung und Reflexion dazu entschließen, auch nach Abschluss des Sozialpraktikums Menschen für andere zu sein. Dann werden sie auch weiterhin prägende Erfahrungen sammeln können und in einen Kreislauf von Erfahrungen, Reflexion und Handeln eintreten. Wir wollen ihnen diesen Weg gern weisen – beschreiten müssen sie ihn freilich allein.
Das Sozialpraktikum ist „magis“
Im Sozialpraktikum manifestiert sich also der Gedanke, mehr zu lernen, als die schulischen Curricula beinhalten, mehr zu werden als nur ein gebildetes und erfolgreiches Individuum. Nur wenn es uns gelingt, durch die reflektierte „Verkostung“ der sozialen Erfahrung auch neue Maßstäbe für unser eigenes Handeln abzuleiten, werden wir zu Menschen, die nicht nur sich selbst die Nächsten sind, sondern die Menschen für andere sind.
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