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Die 77‘er - Wiedersehen nach 49 Jahren

Die Frage nach dem Warum ist immer die wichtigste aller Fragen. Also: Warum fand unser erstes Wiedersehen nach dem Abi 1977 erst nach 49 Jahren statt? Und gleich ein zweites Warum: Warum waren alle Teilnehmer von dem Treffen am 26. und 27. Juni derart begeistert?

Inzwischen sind wir 66 Jahre und älter. Bekanntlich fängt da ja - frei nach Udo Jürgens - das Leben an. In diesem Alter hat man vor allem eins: Zeit! Meistens jedenfalls… So kamen die 77’er schließlich aus aller Welt zusammen. Aus Memphis/Tennessee und sogar aus Taipeh/Taiwan. Und das am 26. Juni dem bis dahin heißesten Tag des Jahres! Die Oberstufenschüler hatten uns die Rotunde, ihren Aufenthaltsraum, für unsere Zusammenkunft abgetreten! Ihnen gilt ein herzlicher Dank!

Aber der Reihe nach: Im Sommer 2025 hatten sich zwei Mitabiturienten – Oliver Hammerstein und Thomas Heyer - zufällig auf einer Straße in Rüngsdorf getroffen. Die beiden sprachen darüber, dass es in fast 50 Jahren nie ein Klassen- oder Jahrgangstreffen gegeben habe. Darüber waren beide recht verwundert. Heyer berichtete Helmut Emsbach von der Begegnung und die beiden nahmen die Organisation für ein Treffen in die Hand.

Das AKO-Heft von 1977 mit der Liste der Abiturienten sowie den Angaben zum damaligen Wohnort und Berufswunsch waren die spärliche Informationsgrundlage für die Recherche der aktuellen Adressen. 

Im AKO-Heft abgedruckt ebenfalls das Foto mit den 77’ern, aufgenommen am Tag der Aushändigung des Abiturzeugnisses auf der Treppe der alten Kirche. Wir hatten am 10. Juni 1977 vom damaligen Direktor Pater Gelberg in der Mensa, die sich offensichtlich seit mehr als 50 Jahren nicht verändert hat, das Zeugnis der Hochschulreife eher nebenbei in die Hand gedrückt bekommen. 

Schule fertig, das war’s! Eine Tasse Kaffee, kein Kuchen, kein Sekt, keine Abi-Fete oder etwa ein Abi-Ball. Man könnte sagen, es war ein cooler Abgang. Vor allem war er aber freud- und recht würdelos! Und dann begann für die 77’er das Leben nach dem Motto: „Aus den Augen aus dem Sinn“. 

Ja, die Freiheit lag uns zu Füßen! Bei den meisten von uns währte diese Freiheit nur kurz, denn der 1.7.77 war Einberufungstermin - ob zur Bundeswehr oder zum Zivildienst. Kontakte und Treffen untereinander gab es danach nur unter engen Freundschaften. 

So war die Ausgangssituation im August 2025 zum Beginn der Organisation eines Treffens. Wo waren die 77’er geblieben? Wo waren sie im Leben gelandet? Wie war es ihnen ergangen? Hatten sie überhaupt Lust auf ein Treffen, auf ein Wiedersehen?

Es bedurfte intensiver Recherche, nahezu detektivischer Suche, die aktuellen Adressen der meisten herauszufinden. Viele waren nach ihrem Berufsleben inzwischen im Ruhestand, sodass auch die Spur über den Job oft nicht weiterhalf. Schwarmwissen war gefragt. Einige hatten noch untereinander Kontakt. Deren Adressen waren somit leicht zu bekommen. 

1977 waren wir 84 Abiturienten. 62 Anschriften konnten wir recherchieren. Helmut Emsbach erwies sich bei dieser Suche als veritables „Trüffelschwein“. Er telefonierte alte Kontakte ab und fuhr sogar zu möglichen Adressen und ließ nicht locker. Von sieben 77‘ern hat er keine Spur gefunden, 5 Mitabiturienten sind bereits verstorben. Einige hatten kein Interesse an einem Wiedersehen, andere haben auf unsere Nachricht nicht reagiert. Von den 62 waren die meisten sehr an einem Treffen interessiert. 42 meldeten sich schließlich für die Tage im Juni an.

Klar, die Recherche bedeutete „Arbeit“, aber andererseits war sie verbunden mit Freude über einen Rechercheerfolg, Freude über erste Kontaktaufnahmen und Freude über das enorme Interesse, ja sogar Euphorie bei einigen über ein Wiedersehen. 

Es ließe sich ein Buch schreiben, auf welchen Wegen wir viele der 77‘er ausfindig gemacht hatten. Eine große Hilfe war uns Daniela Ulbrich mit ihrer AKO-Alumni-Kartei! Dank an dieser Stelle.

Ursprünglich hatten wir vor, uns in 2027 - also 50 Jahre nach unserem Abitur – zu treffen. Doch bei einer derartigen Begeisterung über die Idee beschlossen wir Ende November 2025, das Treffen bereits nach „49 Jahren“ zu organisieren (7 x 7 (77‘er) = 49!).

Einer von uns, Stefan Borst hatte eine Idee: „Lasst uns doch starten mit einer Andacht, ohne schweren katholischen Impetus! Lasst uns erinnern - auch an die, die nicht mehr sind.“ Eine gute Idee. So boten wir für den Start in den Tag noch vor der offiziellen Begrüßung eine Andacht in der Krypta an. Wer kommt, der kommt, dachten wir … und es kamen gleich zur Andacht alle, die sich angemeldet hatten. Eine Überraschung! Zweite Überraschung: Alle waren pünktlich! Es kamen knapp 40 und das bei fast 40 Grad Außentemperatur. Die dritte Überraschung war, dass von Beginn an ein Gefühl der Gemeinschaft spürbar war. Wir konnten uns verorten, waren am richtigen Ort, auch wenn wir uns nicht alle auf Anhieb erkannten. 

Nach der Andacht mit einem sympathischen Willkommen durch Mathias Molsberger und Gedanken zum „wer-wir-waren-wer wir sind“ von Peter Barden ging es in die Rotunde. 

Sofort wurde dort untereinander angeregt und intensiv gesprochen, so als ob wir uns nie aus den Augen verloren hätten. Beim Wiedererkennen halfen uns die Namensschilder, die uns Frau Ulbrich zur Verfügung gestellt hatte.

Der famose Küchenchef des AKO, Herr Trouillier, servierte uns köstlichen Flammkuchen, Wasser und andere nicht alkoholische Getränke hatten wir reichlich gebunkert.

Herr Molzberger kam und informierte uns unterhaltsam im Frage-Antwort-Spiel über die Entwicklung des AKO‘s in den vergangenen 15 Jahren. Es gab offensichtlich nach der Aufdeckung einiger Missbrauchsfälle einen gelungenen Neuanfang mit der Überführung der Jesuiten-Schule in die Trägerschaft einer ignatianischen Stiftung. Das war Neuland für uns alte Jesuitenschüler, die allesamt das Gefühl hatten in den 70ern auf einer besonderen Schule, einer Schule mit Nimbus gewesen zu sein, gleichwohl einer Schule in der Macht und Despotismus eine Rolle spielten. 

Wir 77‘er fühlten uns als Schüler vom „heiligen Berg“, waren überzeugt eine sehr gute Schulbildung erhalten zu haben. Einer aus unserer Runde berichtete, dass er die ersten beiden Semester locker in Cafés und Kneipen hätte verbringen können, da er den „Uni-Stoff“ bereits während seiner Schulzeit gelernt hatte. 

Nach einem Rundgang über das Schulgelände ging es am Abend zum Hotel Löwen in Bad Godesberg, wo weiter fröhlich diskutiert und erinnert wurde. 

Tag 2 unseres Treffens starteten wir im Konrad Adenauerhaus in Rhöndorf. Hier gab es in den neugestalteten Räumen zum 150-jährigen Geburtstag des Altkanzlers eine Führung in zwei Gruppen, denn auch am zweiten Tag waren wir fast 30 Personen. Einige 77’er hatten ihre Ehefrauen mitgebracht. 

Zum Mittagessen in einem Weinlokal in der Nähe gingen die Erzählungen weiter und nahmen auch kein Ende bei Kaffee und Kuchen im Café Profittlich. 

Wir 77‘er – wir haben es geschafft! Nach 49 Jahren haben wir wieder zueinander gefunden und sind mit der festen Absicht auseinander gegangen, uns bereits zum 50. Abi-Jubiläum in 2027 wiederzutreffen. Zuvor tauschen wir uns einstweilen per Mail oder auf anderen Plattformen aus … auch über das AKO und die Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit auf dem „heiligen Berg“, der – wie wir mit den Jahren feststellen mussten – gar nicht so heilig war! (hy/eb)