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Käpt´n Book – Protagonisten zwischen Gangster-Rapper und Trans-Mensch

zwei packende Lesungen zu gesellschaftlichen Themen

 

Einige unserer jungen Zuhörer der Stufen 7 und 8 kannten ihn bereits – den spannenden Roman „Tupac is back“ von Tobias Steinfeld. Tupac war laut der Erzählung der größte, wichtigste Gangster-Rapper aller Zeiten, der 1996 im Alter von nur 25 Jahren erschossen wurde. Rund um diese einst real existierende Person erfand Steinfeld eine fiktive Geschichte mit den befreundeten Figuren Eddy und Cem, denen plötzlich auf einer Parkbank das gealterte Alter Ego von Tupac erscheint. In den folgenden Zwiegesprächen erfährt der Leser dann viel über Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und wie man als Rapper einerseits sozialkritisch aber gleichzeitig auch als ein Vertreter von Gewalt und Drogen auftreten kann. Die kritischen Fragen, die Tupac den beiden Freunden stellt, stimmen auch uns als Publikum nachdenklich. Tobias Steinfeld greift diese Überlegungen auf und führt unsere Jugendlichen geschickt in Tupacs Welt voller Widersprüche.  

Damit es bei dieser Lesung anschaulich wird, hat Steinfeld verschiedene Musikstücke von Tupac mit dabei und präsentiert Ausschnitte der Video-Clips. Es fällt auf, dass die Texte moralisch nicht zusammenpassen, was in Tupacs Biografie begründet liegt. Er stammte aus einem kriminellen Umfeld, seine Mutter saß bereits während der Schwangerschaft im Knast. Und so wuchs Tupac als schillernde Figur auf, voller Gegensätze, und schaffte es mit seiner Musik, weltweit berühmt und äußerst erfolgreich zu werden. Mit den Unmengen von Geld, die er mit seiner teils gewaltverherrlichenden Musik verdiente, setzte er sich für Schwächere ein. Ein nicht aufzulösendes aber deswegen interessantes Paradoxon.

Steinfeld war 13 Jahre alt, als Tupac erschossen wurde, und kam während einer Schreibwerkstatt auf die Idee, diese in sich widersprüchliche Figur in einem Roman zu verarbeiten. Den Autor, der vormals als Inklusionshelfer in einer Förderschule arbeitete, faszinierte sofort der Kontrast zwischen Hoffnungslosigkeit, der Sehnsucht nach Gerechtigkeit einerseits und dem großen Gewaltpotential andererseits. Selbst eigene Raps schreiben – auch das kann Tobias Steinfeld und so findet man einige davon zum Nachlesen in seinem Roman.

Ganz anders aber ähnlich nachdenklich präsentierte Kobai Halstenberg ihren Erzählband „Wir sind wir“. Auch sie liest intensive Textstellen vor und animiert die kleine Gruppe der 10d dazu, in ein gesellschaftspolitisches Thema einzusteigen: den Umgang mit Trans-Menschen. Es ist nicht Halstenbergs erster Roman. Wiederholt stellt sie sich in Interviews den spannenden, authentischen Antworten von Gruppen, die thematisch in unserer Gesellschaft eher an den Rand gedrängt werden. Immer im Fokus ist dabei die Sicht von Jugendlichen. So stellte Halstenberg Nachforschungen dazu an, wie junge Menschen im Zweiten Weltkrieg überleben konnten, oder sie führt Gespräche mit obdachlosen Jugendlichen auf der Straße, um etwas über ihre Biografien und (Über-)Lebensweisen herauszufinden. „Jugendliche werden in Deutschland zu wenig gehört!“ Dabei scheut sie sich auch nicht davor, junge Menschen, die sich gegen Rechts engagieren, nach ihren Motiven aber auch Ängsten zu befragen.

Das Buch „Wir sind wir“, das Frau Halstenberg mitgebracht hat, zeigt recht schnell das Motto unserer Gesellschaft: „Wenn du dazu gehören willst, musst du dich anpassen.“ Aber wie geht das, wenn man als junger Mensch merkt, dass man im falschen Körper steckt? Sicher ist – es gibt nicht den einen Weg. Jede einzelne der vorgestellten Biografien weist einen anderen Verlauf auf. Was jedoch alle diese insgesamt 17 Personen im Erzählband eint, ist, dass sie auf Unwissenheit stoßen und aus der daraus resultierenden Unsicherheit Verletzungen erleiden müssen. Bis man als Trans-Mensch lernt, seine Gefühle nicht mehr wegzusperren, zu erfahren, dass man als Mensch nicht falsch ist, müssen die meisten einen harten Weg in Kauf nehmen. Mentale Probleme bis hin zu Panik-Attacken und Depressionen, weniger geeignete Therapeuten, lange Klinikaufenthalte sind keine Einzelfälle. Jede Trans-Erfahrung ist anders, es gibt nicht die eine für alle passende Therapie. Halstenberg greift den Appell dieser Menschen immer wieder auf: Informiert euch bitte, ehe ihr urteilt!

Die Schülerinnen und Schüler der 10d stellen zwischen den Leseparts interessierte Nachfragen, geraten auch in Diskussionen und setzen sich so mit der Lebenswirklichkeit von Trans-Menschen auseinander. Und man stellt fest: Die meisten Menschen wissen tatsächlich viel zu wenig über die Ursprünge, den Prozess der Umwandlung, den Leidensdruck. Ermutigend ist die Erkenntnis, dass bei persönlichem Kennenlernen aus der Erfahrung heraus dann letzten Endes bei vielen einzig der Mensch im Vordergrund steht und nicht das Geschlecht. Und so endete diese Lesung mit einem Satz, dem alle zustimmen konnten: Versucht nicht, euch einer Rolle zuzuordnen – seid einfach glücklich!

Wir danken ganz herzlich den Organisatoren von Käpt´n Book, dass sie uns zwei so wunderbare Lesungen geschenkt haben. 

Gm