Gar nicht – zumindest nicht Jan Ludwig, der als einer von drei Autoren im Rahmen von Käpt´n Book eines seiner Bücher vorstellte: „Demokratie“ – ein Sachbuch in leichter Sprache und auf den Punkt gebracht, das nicht nur das politische Einmaleins erklärt, sondern auch Fragen nachgeht, ob beispielsweise Schokolade demokratisch ist. In seinem Buch geht Ludwig zudem darauf ein, wie man Argumenten gegen Demokratie begegnet. Der Journalist, der als Schüler in Deutsch die Note 4 einstecken musste, nimmt das Superwahljahr 2024 als Beispiel, um den Blick auf unseren ganzen Globus zu lenken, um die größte Demokratie der Welt (Indien) mit der Zensurbehörde in China zu vergleichen. Viele Bilder hat Jan Ludwig mitgebracht, die er zur Veranschaulichung auf die große Leinwand beamt. Da sehen wir Maria Kalesnikowa, die mutige Kämpferin aus Belarus, die sich dem Despoten Lukaschenko offen entgegenstellt, dafür zu elf Jahren Isolationshaft verurteilt wird und verschwindet. Anhand diverser Wahlzettel, die Jan Ludwig nicht nur an die Wand beamt, sondern auch herumreicht, erläutert der Autor sehr anschaulich, woran man bereits darauf eine Diktatur erkennen kann. Schon der Unterschied zwischen dem Stimmzettel vom März 1933 zu dem von 1936, auf dem nur noch Adolf Hitlers Name als einziger stand, ist lehrreich genug. Auch das heutige Schweizer Modell und berühmte Namen wie Marie Curie griff Jan Ludwig auf. Das alles geschieht im vermeintlichen Plauderton und durchgehend im direkten Austausch mit unseren Schülerinnen und Schülern. Und spätestens bei Fragen wie „Wie kriegt man Demokratie in diktatorische Länder?“ merken auch unsere Siebtklässler, dass es keine simplen Antworten gibt: „Zumindest nicht durch Krieg!“
Ja – diese „Lesung“ war anders als erwartet, aber was gibt es Besseres, als mit der Einsicht und dem Appell zurück in den Unterricht zu gehen, dass man für die Demokratie kämpfen sollte.
Wir dürfen dankbar sein, in einer Demokratie zu leben! Denn eine undemokratische Partei – das „Kannawoniwasein“!
Na gut, in Martin Musers Lesung zum 3. Band seiner den Sechstklässlern gut bekannten Reihe geht es nur noch im Kleinen um Demokratie, aber um viel Freundschaft, Schabernack und Berliner Kolorit. Die Geschichten um Finn und Jola, die gerne mal über Grenzen gehen und als Zwölfjährige heimlich Party machen und Alkohol ausprobieren wollen, die auf die „Banausen aus Arschlochhausen“ treffen und sich dann doch mit diesen „Schwachköpfen“ anfreunden, sind lustig, und so, wie sie Muser vorliest, äußerst unterhaltsam. Er gesteht, dass er früher als Kind selbst ein bisschen wie Finn war und gerne wie Jola gewesen wäre. Immer wieder fragt Martin Muser nach, ob unser Publikum sich noch konzentrieren und zuhören könne. Jedes Mal nicken sie und rufen laut zum Weiterlesen auf. Und sie halten tatsächlich erstaunlich lange durch, bis der Autor letzten Endes noch zahlreiche Fragen beantwortet, bei denen er viel Privates von sich preisgibt. Spannend war zu hören, dass er hauptberuflich Drehbuchautor, z. B. von „Soko“ oder „Der Alte“ ist.
Er weiß genau um die dramaturgischen Griffe, wie auch unser letzter Gast, Colin Hadler. Der hat gelernt, sich die Bühne zu eigen zu machen und so braucht es nur ein paar wenige Minuten, bis unsere Achtklässler lachend über den Stühlen hängen. Der 24-jährige Wiener beginnt so ironisch wie er es auch die Lesung über bleiben wird: „Ich freue mich, dass Ihr da sein müsst, zu meiner Lesung.“ Seine Oma finde keinen Gefallen an seinem Beruf als Schriftsteller, betitelt ihn als „arbeitslos“, sein Opa sieht ihn gar als „nutzlos“. Aber in einem kleinen Nebensatz wird er dann doch ernst: Durch Gedichte wurde ihm die Welt schon als Kind zu einem schöneren Ort. Und so entstand seine Liebe zum Geschichtenschreiben. Folglich verfasste er mit 15 Jahren seinen ersten Roman. Auch Colin Hadler liest nicht wirklich vor, denn er kann das erste Kapitel komplett auswendig und spielt die Szene gleichzeitig. So wird unser Publikum blitzartig hineinkatapultiert in eine Unfall-Szene, die quasi im Zeitlupentempo beschreibt, wie ein Bus mit Schülern in den Abgrund und somit in den sicheren Tod rast. Man erlebt diesen Unfall spürbar mit. Was sehr real klingt, entstammt einem Deep-Fake-Video, in dem die Protagonisten des Thrillers alle eine Rolle spielen. Das Verschwimmen zwischen Wirklichkeit und Erfundenem in den sozialen Medien ist fortan das große Thema. Anhand einiger Beispiele, gezeigt auf der großen Leinwand, beweist Colin Hadler unseren Schülern, was heute bereits alles machbar ist. Aber es wird auch anschaulich-praktisch: Gemeinsam mit unseren Achtklässlern überlegt er aus Sicht eines Kriminellen den besten Ablauf bei einer Entführung, wobei sich herausstellt, dass es am Ako wohl großes kriminelles Potential gibt – zumindest in der Phantasie! Und dann muss das Publikum aus drei von Hadler erzählten Geschichten die eine herausfinden, die als einzige wahr ist. Damit verknüpft stellt sich auch die nicht leicht zu beantwortende Frage: Was muss ein Freund machen, damit diese Freundschaft und die eigene Loyalität enden?
Wir leben zunehmend in einer Welt, in der wir sehr überlegen müssen, was wahr und was erfunden ist. Viel mehr erfahren wir von Hadlers Thriller „Seven ways to tell a lie“ nicht, aber angespitzt von der großartigen Lesung werden nun vermutlich so einige Jugendliche in den Buchhandlungen auftauchen, die nach Hadlers Roman fragen.
Und so ist wieder einmal unser gemeinsames Ziel erreicht: Kinder und Jugendliche, die lesen!
Wir bedanken uns bei den Organisatoren von Käpt´n Book für das wunderbare Geschenk und freuen uns schon jetzt auf das kommende Jahr.
Gm
So., 09.11.2025 - 00:00 Uhr



