„Grenzen in der Geschichte“. Das war das Thema des diesjährigen Geschichstwettbewerbs des Bundespräsidenten, an dem das AKO in diesem Jahr zum ersten Mal teilnahm. Dieser Wettbewerb wird alle zwei Jahre von der Körber-Stiftung unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ausgetragen und stellt den größten historischen Forschungswettbewerb der Bundesrepublik Deutschland für Jugendliche zwischen 9 und 21 Jahren dar. Die Teilnehmer müssen zu einem Thema – in diesem Jahr „Grenzen in der Geschichte“ –eine lokal- oder familiengeschichtliche Fragestellung entwickeln, diese eigenständig bearbeiten und in ein Forschungsprodukt verwerten. Damit die Arbeit historisch ist, dürfen die Teilnehmer die gewählten Ereignisse nicht selber miterlebt haben. Bei der Gestaltung des Endproduktes sind die Teilnehmer frei, solange sie die Vorgaben des Wettbewerbes, wie Umfang und Quellen- und Literaturverzeichnis, beachten. Auch können sie einzeln, aber auch in Gruppen oder Klassenverbänden teilnehmen.
Das AKO nahm dieses Jahr erstmalig mit 7 Schülern bzw. 5 Gruppen an dem Wettbewerb teil. Dabei wurden die Schüler von dem Geschichtslehrer Herrn Oliver Meuser unterstützt, der sie bei der Findung der Fragestellung und dem methodischen Vorgehen unterstützte und ihnen wichtige und helfende Vorschläge zur Verbesserung und korrekten Darstellung ihrer Arbeiten gab. Dazu bildeten sie eine Projektgruppe, die sich vom Start des Wettbewerbes am 1. September 2024 bis zum Abgabetermin am 28. Februar 2025 zweiwöchentlich zu Besprechungsterminen traf.
Fünf Wettbewerbsbeiträge wurden Ende Februar ins Rennen geschickt, vier Facharbeiten und eine Ausstellung, die im Mitteltrakt des Kollegs besichtigt werden kann. Nun begann das lange Warten auf die Bekanntgabe des Wettberbsergebnisse auf Landeseben, die mehrere Monate in Anspruch nahm, da der diesjährige Geschichtswettbewerb rekordverdächtige 6.727(!) Teilnehmer hatte und 2.289 (!) Arbeiten eingereicht wurden. Nach langer Wartezeit wurden im Juni endlich die Ergebnisse der Landesrunde veröffentlicht. Zwei wurden mit einem Landespreis und einer mit einem Sachpreis ausgezeichnet. Laut dem Wettbewerbsmanager ein herausragendes Ergebnis, da Schulen üblicherweise beim ersten Anlauf keine Landespreise erringen, das AKO aber gleich die erfolgreichste Schule in Bonn und Umgebung geworden ist!
Jonathan und Simeon (9c) haben sich in ihrer Arbeit „Bonn wird französisch – mit welchen Folgen?“ mit den Veränderungen befasst, die der Einmarsch der Franzosen im Oktober 1794 für Bonn bedeutete und erhielten eine Urkunde und einen Buchpreis.
Fritz (10a) hat in seiner Arbeit „Familiengeschichte hautnah: Meine Reise in die Vergangenheit“, in Archiven recherchiert, Interviews mit Familienmitgliedern geführt, digitale Karten und einen Familienstammbaum erstellt und dabei auch interessante außerfamiliäre Verbindungen hergestellt. Er wurde mit einer Urkunde und einem Buchpreis ausgezeichnet.
Die Ausstellung „Das Aloisiuskolleg im Nationalsozialismus – Welche Grenzen wurden der Schulbildung und Persönlichkeitsbildung gesetzt?“, die von Leticia und Mara (beide 10c) erarbeitet und erstellt worden war, behandelt die Folgen und Auswirkungen des Nationalsozialismus am Aloisiuskolleg von 1933 bis 1945 anhand einer Biographie eines Altschülers des Aloisiuskollegs. Die Austellung wurde mit einer feierlichen und vielbesuchten Vernissage Ende März feierlich eröffnet. Mitte Juni besuchte auch der ehemalige Leiter des Bonner Stadtarchivs, Dr. Norbert Schlossmacher, die Ausstellung. Der Ausstellung und der fachlichen und methodischen Leistung von Leticia und Mara wurde von allen Seiten sehr große Bewunderung zuteil, auch in den Gutachten der Juroren, die in allen Bereichen voll des Lobes waren. Deshalb mischte sich in die Freude über die Auszeichnung mit einem Sachpreis letztlich wohl auch eine Prise Unverständnis.
Groß war die Freude über zwei sehr verdiente Landespreise für Ambrus (9a) und Nicolas (10a).
Ambrus hat in seiner Arbeit „Zwischen Landesgrenzen und Frontabschnitten: Die Flucht meiner Familie aus Ungarn und die Rückkehr von 1944 bis 1946“ die Flucht seiner Familie aus der Stadt Nyíregyháza in Ostungarn im Oktober 1944 nach Vilshofen in Niederbayern und Anfang 1946 wieder zurück nach Ungarn mithilfe familiengeschichtlicher Dokumente rekonstruiert und als exemplarisch für vergleichbare Fluchtgeschichten auf 28 Seiten dargestellt. Gelobt wurden der für das Alter ungewöhnlich hohe Reflexionsgrad, die lebendige und konzise Narration, der quellenkritische Umgang, die Abwägung der Quellenaussagen, die Materialvielfalt, die breite Literaturbasis und besonders der stringente Bezug zum Grenzbegriff in den Schlussfolgerungen.
Nicolas hat in seiner Arbeit „Ein Gut – drei Staatenwechsel. Meine Familie: Preußische Grundbesitzer in Posen bis 1945“ erforscht, wie seine Familie seit der Ansiedlung seines Ururururgroßvaters in Posen 1833 unter preußischer, seit 1919 unter polnischer und seit 1939 wieder unter deutscher Herrschaft in Posen gelebt hat, bis sie 1945 vor der Roten Armee fliehen musste. Hervorgehoben wurden die hartnäckige Recherche im Familienarchiv, der quellenkritische Umgang mit den Ego-Dokumenten, die hohe Wissenschaftlichkeit, die Darstellung, der Stil, der Umfang (48 Seiten, 140 Fußnoten), die Fotographien und Dokumente, die Verbindung von Mikro- und Makrogeschichte und der gelungene Themenbezug.
Die Landessieger werden ihre Urkunden im September im Haus der Geschichte von Kultusministerin Dorothee Feller, Prof. Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik, und Thomas Paulsen, Vorstand der Körber-Stiftung, erhalten. Sie erhielten bereits je 500,– Euro Preisgeld, eine Einladung in ein Geschichtscamp in Chemnitz und haben die Chance auf einen der mit bis zu 2500,– dotierten Bundespreise und die Verleihung durch den Bundespräsidenten im Schloss Bellevue.
Viel Erfolg den Landessiegern auf Bundesebene!
Ein großer Glückwunsch an alle Teilnehmenden für die herausragenden Leistungen!
Ambrus, Nicolas, O. Meuser



